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Hi-Ring Haseder Busch

Das Naturschutzgebiet Haseder Busch

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In vielen Gebieten unserer heimatlichen Landschaft wird die ursprüngliche Natur durch die verstärkten vielfältigen Nutzungen des Raumes immer weiter zurückgedrängt. Viele Pflanzen und Tiere sind von der Ausrottung bedroht.

Diese Entwicklung muss unter anderem dadurch in gewissem Maße aufgehalten werden, dass einzelne Gebiete, in denen sich die heimische Natur in typischen Ausprägungen erhalten hat, vor Schädigungen  geschützt werden.

Der Haseder Busch ist gemeinsam mit dem jenseits der Innerste an ihn angrenzenden feuchten Grünlandgebiet der am meisten naturnah erhaltene Teil der Auenlandschaft von Leine und Innerste im Bereich ihres Austritts aus dem Bergland. Der Wald ist der einzige Rest des natürlichen Hartholz-Auenwaldes mit seinen besonderen Pflanzen- und Tierlebensgemeinschaften, der die Flußauen der Innerste und Leine in diesem Bereich ursprünglich gefüllt hat.

Er ist für die biologischen und ökologischen Wissenschaften von erheblicher Bedeutung und ist namentlich zur Blütezeit seiner Bodenvegetation von großer Schönheit.

Das südliche angrenzende Grünlandgebiet mit dem alten und neuen Lauf der Innerste und seinen Flurgehölzen vermittelt gemeinsam mit dem Auenwald jedermann einen Eindruck von der Gestalt einer naturgemäß genutzten Auenlandschaft, wie sie früher unsere Flüsse begleitete, heute aber an keiner anderen Stelle mehr in dieser Vielfalt zu finden ist.

Das ganze Gebiet bietet einer Reihe von seltenen Pflanzen und Tieren Lebensraum und bringt den Erholungssuchenden ein eigenartiges und eindrucksvolles Naturerlebnis.

Der Haseder Busch ist in den Gemarkungen Hasede, Klein Giesen und Hildesheim am 12. November 1974 in das Naturschutzbuch eingetragen und damit dem Naturschutzgesetz unterstellt worden.

Im vorigen Jahrhundert waren die Flussläufe noch von Auenwäldern umsäumt, aber die fruchtbaren Böden längs der Flüsse wurden landwirtschaftlich genutzt, oder die Flüsse wurden begradigt, so dass der Grundwasserspiegel sank und damit der Auenwald sterben musste.

Dass der Haseder Busch bis auf den heutigen Tag erhalten werden konnte, ist in erster Linie dem Stauwerk der Großen Mühle zu verdanken. Das Wehr sorgt für einen gleichmäßig hohen Wasserstand, der den angrenzenden Wald permanent bewässert. Bei außergewöhnlichen Hochwässern ist aber auch das Wehr überfordert, und das Wasser überschwemmt weite Teile des Haseder Busches. Das ankommende und ablaufende Wasser hat tiefe Rillen im Wald hinterlassen und große Massen von Schlamm abgelagert. In tieferen Senken blieb das Wasser stehen.

So sind das Meer und der tote Kolk entstanden. Gebiete, die allmählich wieder austrockneten oder als Tümpel stehen blieben.

Der Haseder Busch hat einen außergewöhnlich großen Reichtum an Frühblühern (Geophythen), an Blumen, Pflanzen, Kräutern und Stauden, die die ungünstigen Jahreszeiten, Herbst und Winter, mit Erneuerungsknospen an unterirdischen Erdsprossen oder mit Knollen oder Zwiebeln überdauern und bei noch günstigem Lichteinfall der noch nicht belaubten Bäume zum Erblühen kommen. Sie haben Nährstoffe gespeichert, die ihnen die Möglichkeit geben, schon viel früher zu erblühen als die übrige Vegetation, die noch auf die Erwärmung des Bodens wartet, um Nährstoffe dem Boden zu entziehen.

Als erstes - schon oft im März, steckt das Scharbockskraut seine goldgelben Blütensterne auf und lässt sie bis in den Mai hinein leuchten. Sein scharfer, leicht giftiger Saft galt einst als Heilmittel gegen Skorbut (Zahnausfall durch Mangel an Vitaminen) und wurde als vitaminspendender Wildsalat zubereitet.

Richtig bunt wird es im Haseder Busch aber erst, wenn gegen Ende April die Lerchensporne erblühen, die sowohl in ihrer roten als auch weißen Erscheinungsform auftreten und einen schwach-süßlichen Geruch verbreiten. Zu den Lerchenspornen gesellen sich bald die Schlüsselblumen, die weißen Anemonen und die gelben Windröschen.

Verstreut zwischen den anderen Frühblühern wächst das seltsame Lungenkraut, dessen junge Blüten rot sind, sich aber mit zunehmendem Alter über violett zu blau verfärben.

Am unauffälligsten ist die grüne Nieswurz, die im trockenen hinteren Waldteil ihre grünen Blätter entfaltet.

An den schattigsten Stellen des Waldes findet man die mit zweizeiliger Blattreihe besetzten, bogenförmig übergeneigten Stengel des Salomonsziegels. Aus den Blattachsen hängen die weißen, bauchigen Blütenglöckchen herab.

Auch die Einbeere finden wir unter den Frühblühern. Ihren Namen verdankt sie der einen Beere, die sich später aus dem Fruchtknoten ausbildet.

Am Innerste-Ufer muss man sich erst einen Weg bahnen durch den bis 60 cm hohen Pestwurzwald.

Hasede besitzt im Haseder Busch eine botanische Kostbarkeit 1. Ranges, die zu erhalten oberste Priorität im örtlichen und überörtlichen Naturschutz einnehmen sollte. Der Haseder Busch ist für die biologischen und ökologischen Wissenschaften von erheblicher Bedeutung und ist namentlich zur Blütezeit seiner Vegetation von imposanter Schönheit. Mehr als 200 verschiedene Pflanzenarten finden wir in diesem Auenwald, die aufzuzählen den Rahmen dieser Kurzbetrachtung sprengen würde.

Auf eine Besonderheit sei noch hingewiesen: In der Nähe des toten Arms der Innerste finden wir am Ufer Kuhlen, die landläufig Rottekuhlen genannt werden. Was hat es mit diesen Kuhlen auf sich?

Schon vor mehr als 100 Jahren wurde in Hasede Flachs angebaut. 1853 waren es 25 Hektar, die Lehrer Richter in seinem Heimatbuch nachweist.

Flachs bot eine Fülle von Verwendungsmöglichkeiten. Man gewann Textilfasern aus den Stengeln, die Leinsamen dienten als Heilmittel - wie heute noch. Sie lieferten vielseitig verwendbares Öl (Leinöl), die Pressrückstände bei der Ölherstellung, die Ölkuchen, wurden an das Vieh verfüttert.

Für Tagelöhner und Häuslinge war dieser Nebenerwerb äußerst wichtig. Dadurch wurden sie vor Müßiggang bewahrt und konnten gleichzeitig Bargeld erwirtschaften.

Der Stolz eines jeden Mädchens war es, reichlich gehechelten Flachs, ungeschnittenes Leinen sowie Geräte zur Flachsbearbeitung in der Aussteuer vorweisen zu können.

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Leinen zunehmend von der Baumwolle verdrängt, so dass um 1890 die Leinenherstellung auf dem Lande ihre Bedeutung fast gänzlich verloren hat.

1936 wurde in Hasede, wie Lehrer Richter berichtet, nur noch 0,55 Hektar Flachs angebaut, eine Menge, die im Vergleich zum Anbau traditioneller Feldfrüchte unbedeutend war.

Dass überhaupt noch Flachs angebaut wurde, war wohl auf das Drängen der Reichsbauernschaft des 3. Reiches zurückzuführen, um Deutschland so weit wie möglich von der Einfuhr von Baumwolle, vornehmlich aus Ägypten, unabhängig zu machen. Man denke hierbei an die Einführung der Seidenraupenzucht, die nichts anderes zum Ziel hatte, als Seide zu produzieren für die Herstellung von Fallschirmen für die Luftwaffe des 3. Reiches.

Nach dem Raufen und Bündeln wurden die Samenkapseln von der Pflanze getrennt. Im nächsten Arbeitsgang musste die Faserschicht von dem holzigen Kern und der Rinde gelöst werden. Dazu wurden die Flachsbündel für längere Zeit - 9 Tage - in die mit Wasser gefüllten Rottekuhlen gelegt. Dadurch löste sich der harzartige Leim unter der Einwirkung von Pilzen und Bakterien.

Unsere Vorfahren nutzten das Wasser der Innerste und legten Rottekuhlen an im Haseder Busch und im Gebiet An den Rotten. Das Gebiet der Sauerei eignet sich hervorragend zur Anlage von Tiefwasser- und Flachwasserzonen. Hier können sich Röhrichtflächen entwickeln und damit vielen Vogelarten Brutstätten bieten.

Hier soll noch einmal auf die Bedeutung der Flurbezeichnung "Sauerei" hingewiesen werden. Sauerei hat nichts mit saumäßig zu tun, sondern beinhaltet das Wort sauer.

Mundartlich Sueroie, das heißt "Saure Riede" und Riede wiederum bedeutet Sumpf- oder Moorland, auf dem nur saures Gras wächst.

In der vorstehenden Kurzbetrachtung vom Haseder Busch konnten verständlicherweise Details der umfangreichen Vegetation nur angedeutet werden.

Der Haseder Busch ist aber nicht nur für den Biologen oder den Zoologen von Bedeutung, sondern bietet jedem Naturliebhaber zur Frühlingszeit eine berauschende Fülle von Eindrücken, die die Natur nur noch hier vermitteln kann.

Für uns eine Verpflichtung, dieses Areal zu erhalten und unter absoluten Schutz zu stellen. Aber diese Herrlichkeit dauert nur einige Wochen, wenn die Blätter der Bäume kommen und Licht und Sonne wegnehmen.

Lehrer Richter berichtet in seinem Heimatbuch:
"Früher zeigten sich im Haseder Busch auch Trüffeln, die mit Trüffelhunden gesucht wurden. Die Hunde waren auf den Geruch der Trüffel abgerichtet. Sie scharrten die Trüffel aus dem Boden. Die Trüffeljäger mussten dabei aufpassen, dass die Hunde die Trüffel nicht selbst fressen. Sie nahmen sie ihnen schnell ab, die Hunde bekamen dafür ein Stück Zucker als Belohnung. Nach 1910 traten die Trüffel nicht mehr auf."