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Hi-Ring Haseder Schwefelquelle

Die Haseder Schwefelquelle

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Am Fuße des Lendertberges, einer Anhöhe am Südende von Hasede, die hier nach Westen stark abfällt, entspringt eine Schwefelquelle. Viele Einwohner vom wasserarmen Südende des Dorfes holten hier ihr Wasser, bis die Wasserleitung im Dorfe angelegt war.

Die Quelle liegt auf dem Grundstück der Großen Mühle. 1926 vergrößerte man den Ziergarten, so dass die Quelle im Garten zu liegen kam, wo man sie mit einem Mauerwerk umgab. Das Wasser fließt unterirdisch zur Innerste ab.

Schon vor der Hildesheimer Stiftsfehde (1519 - 1523) muss die Quelle schon in irgendeiner Form vorhanden gewesen sein, bis sie 1524 ausbrach und einen empfindlichen Schwefeldunst verbreitete, den man je nach Witterung bis auf 30 oder mehr Schritte wahrnehmen konnte.

Der Mineraloge Georg Agricola, der von 1494 bis 1555 lebte, berichtete 1546 eingehend über diese Haseder Besonderheit.

In einem Sammelwerk beschreibt er die bekanntesten Mineralquellen innerhalb und außerhalb Deutschlands, die aber von ihm lediglich nach Geschmack und Geruch unterschieden wurden.

Erst Paracelsus (1493 - 1541), der Arzt und Erneuerer der Medizin, untersuchte die Quellen nach ihren Mineralbestandteilen.

Mit wissenschaftlicher Gründlichkeit und Tiefe hat sich vor allem der Hildesheimer Arzt Dr. F.A. Meyer 1775 mit der Haseder Quelle beschäftigt. Er hat eine zutreffende Beschreibung und eine umfassende Darstellung des Schwefelwassers gegeben.

Er schreibt in der Vorrede zu seinem Buch: "Friedrich August Meyers, der Arzneiwissenschaft Doktors Beschreibung des Schwefelwassers zu Hasede unweit Hildesheim":

"Es gibt gewisse Dinge, die sich der Aufnahme eines guten Mineralwassers oft lange widersetzen; und wiederum gewisse, von Politik und Patriotismus bewegte Mediziner, mit deren Beistand zuweilen das armseligste Wasser in die Reihe namhafter Gesundbrunnen sich empordrängt und zum Modebrunnen wird. Nicht immer sind daher die guten Gesundbrunnen auch die berühmtesten und nicht immer diejenigen die vortrefflichsten, welche sich durch äußeren Glanz, durch das Gedränge von Gesundem auszeichnen. Der Brunnen zu Hasede ist nur unter anderem ein Beweis der ersteren. "

Meyer schreibt weiter: "Das Wasser des Haseder Brunnens verbreitet einen Geruch wie von abgebranntem Schießpulver und dieser Geruch kündigt sich schon in der Ferne an. Das Wasser des Brunnens überzieht die Steine, so sie auf dem Grundes des Abflusses liegen, mit einer schlüpfrigen Materie, welche, nachdem sie abgeschabt und getrocknet worden, Schwefel ist.

Der wichtigste Bestandteil des Haseder Mineralwassers ist also der Schwefel. Der flüssige Schwefelwasserstoff ist der Geruchsverursacher.

Das Buch vom Brunnenarzt Dr. Meyer enthält alle älteren Nachrichten über das Schwefelwasser zu Hasede, über die physikalischen und chemischen Untersuchungen des Quellschlamms, des Schwefelabsatzes, des kristallklaren Wassers.

Dr. Meyer berichtet ferner über die Heilkräfte des Schwefelwassers, über den innerlichen Gebrauch und über die Wirksamkeit von Bädern im Haseder Wasser gegen Krankheiten.

Unter diesem Aspekt ist es interessant, was Lehrer Richter in seinem Heimatbuch unter anderem in seinem Aufsatz über die Haseder Schwefelquelle schreibt:

"Jedenfalls verdankt die Familie Engelke, die seit 1714 auf der Großen Mühle sesshaft ist, einen großen Teil ihrer kernigen Gesundheit und ihrer hohen Lebensjahre nicht an letzter Stelle dieser Quelle. Auffällig war immer, dass nur anziehende Dienstboten und Müller erst Ausschlag bekamen. Auch die Kinder der Familie Engelke hatten zuerst eine Periode mit Ausschlag durchzumachen. Vielleicht kommen die Schwefelbäder wieder mehr zu Ehren. Im nahen Haseder Busch könnte man leicht ein Kurhaus errichten und das Schwefelwasser dort hinleiten."

Professor Joseph Cramer vom Josephinum zu Hildesheim war Lehrer der Mathematik und Naturwissenschaften und Autor der "Physischen Briefe über Hildesheim und dessen Gegend" (1792) schreibt im 7. Brief über den Haseder Brunnen:
"Wäre es denn nicht zu wünschen, dass dieser Brunnen, den Gott und die Natur als ein Heilungsmittel so vieler Kreaturen gütig geschenkt hat, besser genutzt wird? Ist denn hier kein Arzt im Lande, der zum Nutzen vieler Kreaturen, die hier könnten geheilt werden, ihn als edles Naturgeschenk anpreist? Wie mancher Gebrechliche, dem das Unvermögen und seine häuslichen Umstände nicht erlauben, in fremden, weit entlegenen Ländern solche Heilmittel aufzusuchen und darum in seiner Siechheit darben und sterben muss, würde dadurch geholfen werden, und könnte nicht ein Brunnenhaus und ein paar Zimmer zur Bequemlichkeit der Kranken angelegt werden?

Was hätte also aus der Haseder Quelle werden können? Warum wurde diese Quelle nicht als Gesundbrunnen genutzt? Die Quelle sprudelt doch immer noch! Im 8. Brief seiner "Physischen Briefe über Hildesheim und dessen Gegend" berichtet Cramer über die Haseder Schwefelquelle.

Die nachstehenden Ausführungen sind nicht mit dem Originaltext expressis verdis identisch, sind aber inhaltlich genau wiedergegeben. Der Schreibstil von Cramer aus dem Jahre 1792 wurde ins "Hochdeutsche" übersetzt. Es handelt sich hier lediglich um Auszüge aus seinem 8. Brief, wo Cramer in aller Breite die "Chemie des Brunnens" von Dr. Meyer beschreibt, die für Nichtchemiker ohne besondere Relevanz sein sollte.

"Die Haseder Schwefelquelle ist von dem seligen Domprobst Freiherrn von Wenge mit Quadersteinen umfasst. 4 Quellen entdeckt man im Grunde dieses Behältnisses, von welchen die eine ihr Wasser mit solcher Gewalt hervortreibt, dass sich über der Oberfläche merkwürdige Blasen erheben und ein unaufhörlicher Wirbel von sich emporhebenden kleinen Steinen über der Quelle spielt. Das kristallklare Wasser gibt übrigens dem Brunnen ein reizendes Aussehen. Eine besondere Eigenschaft des Brunnens besteht in der außerordentlichen Menge des hervorquellenden Wassers. Er gibt innerhalb 1 Minute nicht weniger als 28 Eimer, jeden bis zu 30 bis 32 Pfund. Folglich innerhalb von 24 Stunden über 10.000 Zentner. Diese Menge gibt der Brunnen in allen Jahreszeiten und bei jeder Witterung und er ist nie in seinem Laufe aufgehalten oder vermindert worden. Das ist ein Beweis, dass die Quelle mit keinem wilden Wasser verbunden ist, sondern aus dem Innersten der Erde jederzeit unverfälscht hervorkommt.

Es hat zu jeder Zeit eine gleichbleibende Temperatur. Das Eis ist kaum kälter. Bei dieser Eigenschaft ist es verwunderlich, das das Wasser auch bei strengsten Frösten jemals Eis angesetzt hat, so dass es sogar die Innerste, wo es sich in die Innerste ergießt, vom Eise freihält.

Bei Frostwetter raucht die Quelle ungemein. Die Versuche, die Herr Dr. Meyer angestellt hat, lehren, dass die spezifische Schwere des Wassers mit der des Regenwassers gleich ist. Allerdings ist es härter und erweicht die Hülsenfrüchte nicht so schnell. Darum braucht man auch in der Mühle, wo man sich sonst der Quelle zum Kochen bedient, zum obigen Zwecke das Wasser aus der Innerste. Zum Waschen mit Seife ist das Brunnenwasser aber vorzüglich, da es die Seife in Minuten auflöst und stark schäumt. Wegen des Geruchs wird das Wasser von den Tieren verabscheut. Nur das Müllervieh säuft davon, weil es daran gewöhnt ist. Auch zum Wäschewaschen ist das Wasser wegen der Verbindung von Schwefel mit Alkali geeignet. Es wäscht schnell und ungemein weiß.

Der Schlamm, der sich auf dem Grunde des Bodens sammelt, zeigt sich oben grau und unten bläulich-schwarz. Der Geruch ist schweflig aber nicht so stark. Er verliert sich nach einigen Tagen an der Luft".

Cramer beschreibt im Folgenden chemische Versuche, die von Dr. Meyer durchgeführt wurden und kommt zu dem Ergebnis, das der Schlamm der Quelle zu gleichen Teilen aus ton- und eisenhaltiger Erde besteht.

In seinem 7. Brief weist Cramer auf diesen Ton hin, der sich auf einer Anhöhe in Hasede befindet. Er ist frei von Sand und daher für die Töpferei vorzüglich zu gebrauchen. Der Ton wird von den Töpfern der Stadt Hildesheim häufig abgeholt, bis ihnen die Haseder Dorfgemeinde den Abbau untersagte.

Lehrer Richter schreibt in seinem Heimatbuch: "Noch ein Wort über die Pöttger und Pott Hilmessen. Diesen Namen hat Hildesheim im Volksmund, weil früher vor jedem Stadttor ein Pöttger wohnte, der all die verschiedenen irdenen Töpfe fabrizierte. Wenn die Haseder Frauen am Markttag in der Kiepe Butter, Käse, Eier usw. zur Stadt brachten - natürlich zu Fuß - so nahmen sie auf dem Rückwege die nötigen Pötte mit. Nach mündlicher Überlieferung sollen die Hildesheimer Pöttger vor 150 Jahren am Lendertberg bei der Großen Mühle den Ton abgegraben haben, wovon die große Höhlung entstanden ist

Das Eintreten für den Ausbau von Bademöglichkeiten direkt bei der Quelle ist ohne Erfolg geblieben. Hasede ist kein Kurort geworden. Die Quelle sprudelt aber in alter Kraft und Stärke.